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Paradontitis
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Parodontitis

Unter Parodontitis versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch den entzündlich bedingten Abbau des Zahnfleisches und des zahntragenden Kieferknochens. Diese entzündliche Form stellt den weitaus größten Teil der parodontalen Erkrankung dar.

Paradontose

Im weiteren Sinn gehören aber noch andere Erkrankungen des Parodonts (des Zahnfleisches und des Kieferknochens) dazu: Volumenzunahmen der Gingiva (Zahnfleisch) bei hyperplastischen Formen, Entblößung von Wurzeloberflächen, Verletzungen der parodontalen Gewebe und die Manifestation systemischer Erkrankungen an den parodontalen Geweben.

Die einfachsten Formen der Parodontalerkrankung sind Entzündungen des dem Zahn anliegenden Zahnfleisches (Gingiva). Diese entsteht fast immer durch eine Anhäufung von bakteriell besiedelter Plaque, also durch unvollständig oder gar nicht durchgeführter Mundhygiene. Die Symptome sind: Schwellung, Rötung und Blutung des Zahnfleisches.

35-50% aller Erwachsenen leiden unter einer solchen Gingivitis. Die Therapie ist denkbar einfach: Mit der richtigen Putztechnik, regelmäßiger häuslicher Zahnpflege und professioneller Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis verschwindet die Gingivitis vollständig.

Eine lange Zeit bestehende, unbehandelte Gingivitis führt in der Regel zu einer Ausweitung der Entzündung, die das Knochenfach, in dem der Zahn verankert ist, schädigt. Man spricht erst jetzt von einer Parodontitis. Die Symptome sind wie bei der Gingivitis: Schwellung, Rötung und Blutung des Zahnfleisches. Hinzu kommt ein sehr tiefgreifendes Problem, nämlich die Entwicklung von Zahnfleischtaschen. Hier löst sich zuerst die Verbindung des Zahnfleisches vom Zahn, dann im weiteren Verlauf wird der Knochen rings um den Zahn herum abgebaut, schließlich wird der Zahn locker.

Hierfür verantwortlich sind bestimmte Bakterienarten, die als Leitkeime in Bakterientests nachgewiesen werden können und so schon ein erhöhtes Parodontitis-Risiko anzeigen. Die häufigsten Arten sind Actinobacillus actinomycetem comitans, Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia und Campylobakter rectus.

Diese krankmachenden Keime können sich nur dann gut vermehren, wenn man ihnen die dafür notwendigen Nischen und Zahnfleischtaschen bietet und nicht reinigt.

Sind die Entzündungen erst einmal so weit fortgeschritten, daß tiefere Zahnfleischtaschen entstanden sind (ab etwa 3 mm ), so hat man mit der normalen häuslichen Zahnpflege in der Regel keine Chance mehr auf Heilung. Jetzt ist eine etwas aufwändigere Behandlung nötig, die zum einen zum Ziel hat, alle Beläge, Bakterien und Zahnstein- und Konkrementauflagerungen von den Wurzeloberflächen und aus den Zahnfleischtaschen zu entfernen, damit die Entzündungsreize verschwinden und sich die Zahnfleischmanschette wieder eng um den Zahn legen kann. Zum anderen ist es immens wichtig, Ihnen durch andere oder bessere Pflegetechniken mit ein paar Tricks und Hilfsmitteln die Möglichkeit zu geben, sich vor einer neuen Parodontitis zu schützen.

Ohne diese Vorbehandlung zum einen und eine penibel genau eingehaltene Nachbehandlung mit regelmäßigen Nachreinigungen zum anderen, ist eine Parodontitisbehandlung nicht sinnvoll.

Die Behandlung an sich ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, je nach Ausprägung der Erkrankung und Zugangsmöglichkeit in die Zahnfleischtaschen. Ziel ist aber bei allen Methoden, eine Oberfläche an den Zahnwurzeln zu schaffen, die möglichst frei von krankmachenden Bakterien ist und eine Entzündungsfreiheit ermöglicht.

Die gängige Methode findet unter örtlicher Betäubung statt. Hier werden die Wurzeloberflächen mit speziellen Instrumenten (sog. Küretten und Scalern ) „ saubergekratzt". Es entsteht eine glatte belagfreie Oberfläche.

Sind die Zahnfleischtaschen nun schon so tief oder die Zähne so unübersichtlich geformt, daß nicht alle Anteile sicher gesäubert werden können, muss das Zahnfleisch etwas angeritzt und evtl. zur Seite geschoben werden, um tiefere Taschenanteile erreichen zu können. Vorteil ist hier die Sichtkontrolle des Reinigungserfolges, Nachteil ist sicher der etwas invasivere Eingriff. Das Zahnfleisch wird mit kleinen Nähten wieder zusammengezogen. Die Wundheilung dauert im Vergleich zu den minimal invasiven Methoden etwas länger. Gleichwohl kann man nicht immer auf diese Methode verzichten, wobei der Trend ganz klar zu den möglichst wenig verletzenden Methoden geht.

Etwas schonender ist der Einsatz des Lasers. Durch den Laser kann relativ schmerzfrei (teilweise ohne Spritze) die Taschensäuberung durchgeführt werden. Welche Behandlung die für Sie sinnvollste ist, muss ganz individuell festgelegt werden und kann auch von Zahn zu Zahn unterschiedlich sein.

Beeinflussung des Körpers durch Parodontitis

Zahlreiche Studien und Forschungsprojekte befassen sich heute mit den Wechselwirkungen zwischen der Mundgesundheit und dem Gesamtorganismus des Menschen. Sie belegen, daß Entzündungen im Körper, wie beispielsweise am Herzen oder an der Gebärmutter durch Bakterien aus der Mundhöhle beeinflusst werden. Die Bakterien stammen aus Zahnbetterkrankungen, von wo aus sie in die Blutbahn gelangen und an weit entfernten Stellen im Körper eine Entzündung auslösen können. Untersuchungen deuten darauf hin, daß Patienten, welche an Parodontitis erkranken, ein erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden. An den Gefässen, welche von Arterienverkalkungen betroffen waren, konnten Bakterien nachgewiesen werden, welche sonst ausschliesslich in entzündeten Zahnfleischtaschen vorkommt. Auch Diabetiker scheinen von den Wechselwirkungen betroffen zu sein. Jüngste Studien zeigen, daß erfolgreiche Parodontitisbehandlungen positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben. Umgekehrt ist bei schwangeren Frauen mit einer unbehandelten Zahnbetterkrankung das Risiko einer Frühgeburt um das Siebenfache erhöht.